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Eigene Website erstellen: Wann es sich lohnt, wann nicht

Selbst bauen oder bauen lassen? Die ehrliche Rechnung für Handwerksbetriebe: was Sie realistisch schaffen, wie viele Stunden es kostet und an welchen drei Stellen Selbstbau teuer wird.

Nikola ·

Eigene Website erstellen: Wann es sich lohnt, wann nicht

Lohnt es sich, eine eigene Website zu erstellen?

Rechnen Sie einmal mit, bevor Sie das erste Wochenende investieren. Was bringt eine Ihrer Arbeitsstunden beim Kunden? Und wie viele Stunden sind Sie bereit, in eine Website zu stecken?

Eine eigene Website erstellen können Sie als Handwerksbetrieb ohne Vorkenntnisse — der technische Teil dauert mit einem Baukasten einen Nachmittag. Zeit kosten Texte, Fotos und Pflichtangaben. Rechnen Sie realistisch mit 20 bis 40 Stunden für einen Auftritt, den Sie ohne Bauchschmerzen herzeigen.

Ich baue Websites für Handwerksbetriebe. Trotzdem lautet die Antwort nicht immer „machen lassen". Bei manchen Betrieben ist Selbstbau die richtige Entscheidung. Hier steht, bei welchen.

Was Sie tatsächlich selbst schaffen

Die Technik ist kein Hindernis mehr. Baukästen liefern fertige Vorlagen, in denen Sie Textblöcke und Bilder verschieben. Keine Programmierung, keine Server.

Ohne Hilfe schaffen Sie: Domain registrieren, Hosting buchen, Vorlage auswählen, Farben anpassen, Seiten anlegen, Fotos hochladen, Kontaktformular einbauen, Kontaktdaten eintragen.

Das ist der einfache Teil. Wer eine Dachlattung rechnen kann, scheitert nicht an einem Baukasten.

Die drei Posten, an denen Projekte hängen bleiben

Keiner davon hat mit Technik zu tun.

Texte. Der Killer. „Wir sind Ihr zuverlässiger Partner für alle Arbeiten rund ums Dach" ist schnell geschrieben und vollkommen wirkungslos — der Satz steht so ähnlich auf tausenden Seiten. Ein Text, der zum Anruf führt, benennt konkret: welche Arbeiten, welches Gebiet, wie schnell, was es ungefähr kostet, was als Nächstes passiert. Dafür sitzt man länger als für die ganze Technik.

Fotos. Eigene Baustellenbilder schlagen jedes gekaufte Motiv. Aber: Vorher-Nachher-Paare, ordentliches Licht, aufgeräumter Hintergrund, Einverständnis des Kunden bei erkennbaren Objekten. Wer das nebenbei erledigt, hat am Ende 200 Bilder und keine fünf brauchbaren.

Pflichtangaben. Impressum und Datenschutzerklärung sind für gewerbliche Seiten nicht optional — auch nicht für eine Ein-Seiten-Website mit Kontaktformular. Welche Daten dabei überhaupt verarbeitet werden, erklärt die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Kostenlose Generatoren helfen, ersetzen aber keine Prüfung, wenn Sie unsicher sind.

Drei Stellen, an denen Selbstbau teuer wird

Teuer heißt hier nicht: Sie geben mehr Geld aus. Teuer heißt: Anfragen bleiben aus, die Sie sonst gehabt hätten.

Die Seite funktioniert am Schreibtisch, nicht auf dem Handy

Sie bauen am Rechner, weil man dort besser arbeitet. Ihre Kunden schauen auf dem Handy. Baukästen liefern eine mobile Ansicht mit — sie prüfen aber nicht, ob Ihre Version davon gut ist: zu kleine Schrift, Buttons zu dicht beieinander, ein Foto über drei Bildschirmhöhen.

Der wichtigste mobile Punkt ist der einfachste: Ihre Telefonnummer muss ein antippbarer Link sein, kein hingeschriebener Text. Wer auf dem Gerüst steht und anrufen will, tippt einmal — oder er tippt Ihre Nummer nicht ab, sondern ruft den nächsten Betrieb an.

Niemand findet die Seite

Eine Website ist nicht automatisch bei Google. Sie braucht sinnvolle Seitentitel, eine erkennbare Ortsangabe, eine klare Struktur und vor allem ein Google-Unternehmensprofil, das darauf verweist. Alles machbar — aber nichts davon passiert von allein, und der Baukasten sagt Ihnen nicht, dass es fehlt.

Die Seite bleibt auf halbem Weg stehen

Der häufigste Ausgang ist nicht die schlechte Website. Es ist die halbfertige. Startseite steht, Leistungen zu zwei Dritteln, Referenzen leer, „Text folgt" auf der Über-uns-Seite — dann kommt eine Woche mit drei Notdiensten und einer kranken Aushilfe. Danach liegt es zwei Monate.

Eine halbfertige Website ist schlechter als keine. Sie signalisiert genau das, was Sie über Ihren Betrieb nie sagen würden: hier wird angefangen und nicht beendet.

Wann Selbstbau richtig ist

Es gibt Fälle, in denen ich davon abrate, Geld auszugeben:

  • Sie starten gerade. Kein Kundenstamm, unklares Angebot, wenig Budget. Dann bauen Sie eine schlichte Seite mit Kontaktdaten, Gewerk, Einsatzgebiet und drei Bildern. Besser als eine teure Seite über ein Angebot, das sich in sechs Monaten ändert.
  • Sie brauchen nur eine Visitenkarte. Aufträge kommen über Empfehlung, Sie sind auf Monate ausgebucht, die Seite soll bloß existieren, damit man Sie prüfen kann.
  • Sie machen es gern. Manche Inhaber bauen abends an ihrer Seite und haben Freude daran. Dann unbedingt selbst machen.
  • Sie testen ein neues Standbein. Bevor Sie in eine Seite für einen neuen Bereich investieren, prüfen Sie mit einer einfachen Seite, ob überhaupt Nachfrage kommt.

Wann Sie es abgeben sollten

  • Ihre Stunde ist zu teuer. Rechnen Sie es aus. Bringt Ihre Arbeitsstunde beim Kunden 60 € und stecken Sie 30 Stunden in die Website, haben Sie 1.800 € Umsatz nicht gemacht — mehr, als das Einstiegspaket kostet. Das ist keine Verkaufsrechnung, sondern die Kalkulation, die Sie bei jedem Auftrag machen.
  • Sie wollen über die Website Mitarbeiter finden. Bewerber googeln den Betrieb, bevor sie sich bewerben. Eine schwache Seite kostet Sie hier mehr als Kunden — siehe Mitarbeiter finden im Handwerk.
  • Sie hatten schon zwei Anläufe. Wenn zwei Versuche liegen geblieben sind, ist der dritte mit derselben Methode selten der erfolgreiche.
  • Sie brauchen es zu einem Termin. Saisonstart, Messe, Förderantrag, neuer Standort. Fremdtermin und Selbstbau nebenbei passen schlecht zusammen.
  • Rechtliches macht Sie nervös. Wenn Unsicherheit bei Impressum und Datenschutz das Projekt bremst, ist Abgeben die günstigere Variante.

Eigene Website erstellen: die Reihenfolge, die funktioniert

Wenn Sie selbst bauen, scheitert es fast nie am Werkzeug, sondern an der Reihenfolge. Wer mit dem Design anfängt, sitzt drei Abende an Farben und hat danach keine Texte. Wer eine eigene Website erstellen will, arbeitet von hinten nach vorne.

Erst die Inhalte. In ein einfaches Dokument: Welche Leistungen, welches Gebiet, was fragen Kunden am Telefon immer zuerst, was unterscheidet Sie vom Betrieb zwei Straßen weiter. Das ist die Arbeit, die zählt. Ohne sie ist jede Vorlage leer.

Dann die Struktur. Welche Seiten gibt es, welche Seite beantwortet welche Frage. Vier klare Seiten schlagen zehn, in denen sich alles wiederholt.

Dann Fotos. Ein Termin, zwei Baustellen, Tageslicht, Vorher-Nachher wenn möglich.

Dann bauen. Jetzt ist der Baukasten das, was er sein soll: ein Werkzeug, in das Sie fertige Inhalte einsetzen.

Zuletzt Pflichtangaben und Kontrolle. Impressum, Datenschutz, Nummer als antippbarer Link, jede Seite einmal auf dem eigenen Handy durchklicken — nicht am Rechner verkleinern.

Diese Reihenfolge kostet am Anfang Geduld und spart am Ende Wochen.

Was mindestens auf die Seite gehört

Wenn Sie selbst bauen, ist die Versuchung groß, viel zu machen. Diese sieben Punkte entscheiden aber fast allein, ob aus einem Besucher eine Anfrage wird:

  1. Gewerk und Ort im Seitentitel — „Dachdecker in Wuppertal" statt „Willkommen".
  2. Telefonnummer als antippbarer Link, sichtbar ganz oben, nicht erst im Impressum.
  3. Einsatzgebiet in Worten — welche Orte Sie anfahren. Das liest der Kunde, und Google auch.
  4. Drei bis fünf Leistungen, jeweils in eigenen Sätzen. Keine Aufzählung ohne Erklärung.
  5. Echte Fotos von eigenen Baustellen — mindestens fünf.
  6. Impressum und Datenschutz, verlinkt im Fuß jeder Seite.
  7. Ein klarer nächster Schritt: anrufen, schreiben oder Rückruf anfordern. Einer, nicht drei.

Alles Weitere — Blog, Referenzgalerie, Team-Seite, Karrierebereich — ist sinnvoll, aber später. Eine Seite mit diesen sieben Punkten und guten Texten schlägt eine unfertige mit zwölf Menüpunkten.

Der Mittelweg, den kaum jemand nutzt

Es muss nicht alles oder nichts sein. Zwei Aufteilungen funktionieren gut:

Sie liefern Texte und Fotos, jemand anderes baut und richtet technisch ein. Das senkt den Preis und nutzt genau das, was nur Sie haben — Ihr Wissen über Ihre Kunden und Ihre Bilder von Ihren Baustellen.

Oder: Sie lassen bauen und pflegen danach selbst. Neue Referenz, neue Leistung, neue Nummer sollten Sie ohne Fremdhilfe ändern können. Klären Sie das vor der Beauftragung und lassen Sie es sich zeigen.

Bevor Sie entscheiden

Haben Sie schon eine Website und überlegen, ob Sie sie selbst überarbeiten oder ersetzen lassen: Sehen Sie sich zuerst den Ist-Zustand an. Der Website-Check nennt Ihnen die Schwachstellen in zwei Minuten — Ladezeit, mobile Nutzbarkeit, Auffindbarkeit, Pflichtangaben, Google-Profil, nach Schwere sortiert.

Danach wissen Sie, ob Sie einen Nachmittag brauchen oder ein Projekt. Bei einer fehlenden Telefonnummer als Link und zwei fehlenden Bildbeschreibungen brauchen Sie mich nicht. Bei einer Seite, die nicht mobil funktioniert und die niemand findet, lohnt das Gespräch. Was ein neuer Auftritt kostet, steht offen auf der Preisseite — 1.490 € bis 3.990 € netto, Festpreis vor Projektstart, 14 Tage bis online.

Häufige Fragen

Kann ich eine Website ohne Vorkenntnisse selbst erstellen?

Technisch ja. Baukästen brauchen keine Programmierkenntnisse. Der Aufwand liegt bei Texten, Fotos und Pflichtangaben.

Wie lange brauche ich dafür?

Für einen ordentlichen Auftritt mit fünf bis sieben Seiten realistisch 20 bis 40 Stunden über mehrere Wochen. Der technische Aufbau ist der kleinste Teil.

Was kostet eine selbst gebaute Website?

Die Software kostet je nach Anbieter einen niedrigen zweistelligen Betrag pro Monat, dazu Domain und gegebenenfalls Rechtstexte. Der eigentliche Preis ist Ihre Arbeitszeit.

Brauche ich ein Impressum, wenn ich die Seite selbst baue?

Ja. Die Pflicht hängt am gewerblichen Zweck, nicht daran, wer gebaut hat. Dasselbe gilt für die Datenschutzerklärung, sobald die Seite Daten verarbeitet — und das tut jede Seite mit Kontaktformular.

Ist eine selbst gebaute Website schlechter für Google?

Nicht grundsätzlich. Entscheidend sind Inhalte, Struktur, Ladezeit und mobile Nutzbarkeit. Das lässt sich auch im Baukasten sauber lösen — es passiert dort nur nicht automatisch.

Kann ich später umsteigen?

Ja. Wichtig ist, dass Domain und Inhalte Ihnen gehören und Sie Zugriff auf die Domain-Verwaltung haben. Prüfen Sie das bei Ihrem Anbieter, bevor Sie starten.

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